FreiGepäck

STEIERMARK – Riesachsee

Nur noch ein letzter Tag war uns hier im Ennstal vergönnt, bevor wir wieder die Heimreise antreten mussten. Bei diesem Tag legte sich Petrus aber nochmal kräftig ins Zeug und beschenkte uns erneut mit wunderbarem klaren Spätsommerwetter 😉

Wir hatten uns am Vorabend drei Ausflugsziele zurechtgelegt, entschieden uns nach dem Frühstück aber spontan für das vierte. Dieses Mal wollten wir uns auf die Südseite des Ennstales begeben und ließen das Dachsteinmassiv im wahrsten Sinn des Wortes hinter uns.

Wir bogen in Schladming Richtung Rohrmoos ab, wo sich im Unter- und Obertal das Wandergebiet „Wilde Wasser“ befindet. Die meisten angeschriebenen Routen sind hier tendenziell eher für geübte Wanderer gedacht und geeignet. Eine leichte Wanderung zum Riesachsee gab es aber dennoch, die wir auch unserem Minimann (2) zumuteten. Die ersten Meter waren tatsächlich sehr idyllisch und entsprachen genau dem Beuteschema unserer Kinder.

Womit wir aber nicht gerechnet hatten: Der idyllische Weg mündete dann in die „roten“ und „schwarzen“ Touren wie beispielsweise den Alpinsteig „Höll“. Klingt eher nicht so prickelnd mit einem 2Jährigen.

Der ausgewählte leichte „blaue“ Weg war – ihr ratet bestimmt richtig – ein Forstweg. Also genau das, was bei unseren Kindern regelmäßig innerhalb der ersten Gehstunde in Wann-Sind-Wir-Denn-Endlich-Da oder Mir-Ist-So-Heiß-Ich-Mag-Nicht-Mehr-Laufen endet.

Anfangs waren sie jedoch alle noch motiviert, Linus nahm Merlin an der Hand und der Rest der Runde war mit Tratschen beschäftigt.

Gut, dass dieses Gebiet nicht umsonst den Namen „Wilde Wasser“ trägt, denn tatsächlich gab es an jeder Ecke einen Bach, einen kleinen oder auch großen Wasserfall oder sonstige Wasservorkommnisse. Damit war das Thema „Durst“ jedenfalls vom Tisch.

Als dem Großen (14) die Wasserzufuhr von innen nicht mehr reichte, entschied er sich für eine ausgiebige und beidseitige Wasserzufuhr von außen – nämlich über den Kopf …

… und über die Füße:

Aber es kam, wie es kommen musste. Der Kleinkind-Streik konnte auch mit Himbeeren vom Wegrand nicht abgewandt werden.

Wir – die drei Großen und ich – traten kurzerhand die Flucht nach vorne an und überließen Papa seinem Schicksal mit dem Zwerg am Forstweg.

So war es natürlich nicht ganz. In Wahrheit diskutierten wir an einer Gabelung einfach lang und breit herum, wer wo mit wem gehen möchte und mein Mann „opferte“ sich sozusagen, den „langweiligen“ Forstweg mit Merlin weiter zu marschieren. Wir anderen bogen an geeigneter Stelle somit doch noch zum Alpinsteig „Höll“ ab, nicht ohne ernsthafte Unterweisung der Verhaltensregeln am Steig mit strenger Mama-Stimme, die den erhobenen Zeigefinger zumindest erahnen ließ, wenn er schon nicht plakativ gezeigt wurde.

Ein wenig mulmig war uns bei der wackeligen Hängebrücke über den großen Riesachfall schon zumute. Einen einzigen Schnappschuss wagte ich inmitten der Gischt – für langes Objektivwechseln und Abändern von Einstellungen hatte ich hier wirklich keine Muse.

Auch bei den daraufhin folgenden wirklich steilen, teilweise fast senkrecht auf- und abzusteigenden Leitern war mein strenger Ton von Zeit zu Zeit absolut erforderlich. Nicht alle Stellen waren gut abgesichert und ich verlangte den Kindern wirklich Konzentration ab.

Dafür war das Abenteuergefühl garantiert. Das Wasser schoss laut und tosend an unserer Seite Richtung Tal.

Wenn man genau hinsah, entdeckte man aber auch spannende Kleinigkeiten entlang unseres Weges, wie zum Beispiel einen Regenbogen, der durch die Brechung des Sonnenlichts in der Gischt an der Felsenwand sichtbar wurde …

… oder eine Spinne, die sich genau über einem Wasserfall ihr Netz gebaut hatte. Die Kinder waren echt zuverlässig und trittsicher unterwegs (mit einem kleinen ungeplanten Ausrutscher unseres 7Jährigen an einer gottlob ungefährlichen Stelle), sodass unser Abstecher richtig Spaß machte.

Ein letztes Steilstück lag noch vor uns, bevor wir mit diesem traumhaften Ausblick auf den Riesachsee und die umliegende Bergwelt belohnt wurden.

Und es dauerte auch nicht allzu lange, bis mein Mann mit Merlin (2) zu uns stieß. Jause ausgepackt und alle waren glücklich. Alle? Naja, so einfach ist das in einer Großfamilie natürlich nicht. Vom heißbegehrten Hafer-Honig-Müsliriegel war nur EINER im Rucksack und dieser löste beinahe eine Staatskrise aus, die bis zum Abstieg andauerte und eine Diskussion zum Thema „Empathie“, „sich mit anderen freuen können“ und „in seiner Mitte bleiben“ zwischen unserem Teenager und mir auslöste. Vor allem der letzte Punkt war dabei nicht nur an den Jungen, sondern auch an mich selbst gerichtet. Merlin (2) kümmerte das nicht. Er hatte den Streit verschlafen:

Und beim Wandern Richtung Tal (am Forstweg) war auch gleich die schlechte Laune wieder verflogen und wir plauderten über Dies und Das.

Als mein Mann dann noch bei der Rückfahrt Coca-Cola für alle kaufte und wir noch einen kurzen Sprung zum Freizeitbadesee Aich als Tagesabschluss einbauten, waren wir alle wieder selig. Drei von uns waren trotz eisiger Wassertemperaturen sogar noch schwimmen. *hust* *räusper* … Ich war nicht dabei 😉

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