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    WIEN – Krieg gehört ins Museum

    Unsere kurze Bildungsreise nach Wien neigte sich bereits dem Ende zu. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit liebgewonnenen Freunden im altehrwürdigen Café „Goldegg“ spazierten wir gemeinsam zum Heeresgeschichtlichen Museum. Das eindrucksvolle Gebäude bestehend aus sage und schreibe 117 Millionen Ziegeln zeugt selbst von einer nicht minder beeindruckenden Geschichte, die in die Zeit der bürgerlichen Revolution des Jahres 1848 zurückreicht. Um gegen mögliche zukünftige Aufstände der Bevölkerung vorgehen zu können, wurde die Errichtung einer Militärkaserne in Kanonenschussweite zur Innenstadt beschlossen und diese unter Kaiser Franz Josef I. im Jahr 1856 fertiggestellt. In der Feldherrenhalle erwartete uns inmitten der sechzig Offiziere aus Carrara-Marmor eine junge Historikerin, die uns im Rahmen der vorab gebuchten…

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    WIEN – Zu Hause bei Daniel Düsentrieb

    Ausschlaggebend für unsere Bildungsreise nach Wien war ja ursprünglich das Theorie-Thema „Musicals“ in Majas Musikbuch. Zwar hätte es ganz gewiss keinen gesonderten Motivationsschub für Maja (13) und Linus (10) gebraucht, jedoch habe ich schlicht große Freude daran, den interessierten unter unseren Kindern ein dermaßen eindrückliches Erlebnis wenigstens einmal in ihrer Jugend zu ermöglichen. Ich selbst habe den „Tanz der Vampire“ nie vergessen. Blutjung und frisch verliebt hatten mein Mann und ich von meinen Eltern die Karten geschenkt bekommen und denken heute noch gern an die beeindruckende Vorstellung in den späten 90er Jahren. Um uns die Zeit bis zur Vorstellung von „Das Phantom der Oper“ zu vertreiben, hatten wir geplant, erstmals…

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    WIEN – Auf Hundertwassers Spuren

    Nachdem wir – meine beiden mittleren Kinder Maja (13) und Linus (10) und meine Wenigkeit – den Erkundungspfad des Wiener Jugendstils verlassen hatten, vollzogen wir mit der Suche nach Spuren des bekannten Künstlers und Architekten Friedensreich Hundertwasser einen künstlerischen Epochensprung. Geboren als Friedrich Stowasser im Dezember 1928 erlebte er eine Kindheit voller politischer Umbrüche. Als Schüler einer privaten Montessorischule wurde ihm schon früh ein besonderer Sinn für Farben und Formen attestiert. Unter politischem Druck musste sich der junge Hundertwasser dann im Alter von zehn Jahren nicht nur im Rahmen der „Jugenddienstpflicht“ der Hitlerjugend anschließen, sondern wechselte auch auf Wunsch der Mutter an eine „unauffälligere“ staatliche Schule, an der er schlussendlich…

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    WIEN – Im April zum Jugendstil

    Keine zwei Tage waren seit unserem sommerlichen Grillnachmittag im Bärental vergangen, als sich eine zentimeterdicke Neuschneedecke über unsere Heimatstadt und ihre blühenden Apfel- und Kirschbäume legte. „Im Ernst jetzt?“, maulte Maja (13). Es half nichts. Der April macht eben, was er will. In erster Linie bedeutete der Wetterumschwung, dass wir unsere Koffer für das geplante Wien-Wochenende umpacken mussten. Kurze Hosen raus, Winterjacken rein. Die Devise hieß unverändert Gepäck sparen. Die Bahnstrecke war am Semmering für einige Wochen vollständig gesperrt. Zwölf Kilometer Gleise sollten neu verlegt und 19 Weichen getauscht werden. Für uns Reisende bedeutete dies, den Zug in Mürzzuschlag zu verlassen und mit dem Schienenersatzverkehr nach Wiener Neustadt zu fahren,…

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    Oleum Lini – Ein natürlicher Fußbodenbelag als Druckträger

    Die Erfindung des Linoleums Ende des 19. Jahrhunderts war einem Zufall geschuldet. Dass die Leinölmasse auf Jutegewebe in weiterer Folge nicht nur als Bodenbelag reißenden Absatz finden, sondern auch im Kunstsektor Einzug halten sollte, war für den englischen Chemiker Sir Frederick Walton nicht erwartbar. Die konservativen Hochdruckkünstler hielten vorerst am traditionellen Material „Holz“ fest, lobten die Möglichkeiten, dessen Maserung in das Kunstwerk miteinbeziehen zu können und öffneten sich nur zögerlich und mit viel Kritik dem neuen Werkstoff. Vor allem an Schulen aber erfreute sich Linoleum als leicht zu bearbeitender Bilddruckträger im Kunstunterricht wachsender Beliebtheit. Schon als sich unser ältester Sohn Laurin vor einigen Jahren zum ersten Mal dem Linolschnitt widmete,…

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    TIROL – Schloss Ambras

    „Die schöne Welserin“ war namensgebend für die Straße, in der sich unser Hotel in Innsbruck befand. Philippine Welser, gebildete Tochter einer reichen Augsburger Patrizierfamilie, hatte unstandesgemäß Erzherzog Ferdinand II. von Österreich, den Lieblingssohn des Kaisers, geheiratet – ein Fauxpas im 16. Jahrhundert ganz allgemein, umso mehr noch, weil es die engste kaiserliche Familie betraf. „Und schon hat er sie erspähetHinter der Gardinen Flor,Zu dem Fenster, wo sie stehet,Fliegt sein heißer Blick empor;Denn, die keinen Rang erkennet,Liebe reißt ihn zu ihr hin,Und der Sohn des Kaisers brennetFür die schöne Welserin.„Auszug aus „Philippine Welserin“ (Karoline Pichler 1769-1843) Vor dem Hintergrund dieser Liebesgeschichte, um die sich zahlreiche Mythen ranken, ließ Erzherzog Ferdinand die…

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    Tee ist flüssige Weisheit

    Der mehr oder weniger schneelose Winter neigt sich wohl endgültig seinem Ende zu. Die Kohlmeisen und Hausspatzen hüpfen schon wieder flink über das noch braune Gras und zupfen hie und da mit dem Schnabel einen losen Halm aus der Wiese. Die Schneeglöckchen und Schlüsselblumen stoßen ihre bunten Köpfchen kräftig durch das Laub des vergangenen Herbstes. Und dennoch ist der Himmel regelmäßig wolkenbedeckt, sodass die Farben in der Natur noch gedeckt wirken. Ungebrochen hoch ist die tägliche Lust auf eine warme Wolldecke sowie heißen Tee. Mit erfrischend blauen Pinselstrichen durchbrach Maja (13) die trübe Übergangszeit, hielt aber mit den darauf folgenden braunen Farbtönen sowie der Gestaltung einer zarten Blumentapete doch wieder…

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    Gebrannter Staub

    Mit Ton zu arbeiten bedeutet allem voran, in die Fußstapfen unserer Urururahnen zu treten. Seit tausenden Jahren stellen Menschen überall auf der Erde Alltags- und Gebrauchsgegenstände, Schmuck und Dekoration aus diesem zu Staub verwitterten Gestein her. Die besondere Haptik des Rohstoffs macht Ton zu einem wahren Magneten für Jung und Alt. Kühl, glatt und geschmeidig fühlt er sich an. Wunderbar leicht lässt er sich formen, glätten, schneiden und bedrucken. Die zweite Jännerhälfte war der Töpferei gewidmet. Bereits im Herbst hatten wir mit Petra Fiedler von der Töpferwerkstatt „Albus“ in Wernberg Vorgespräche geführt und schlussendlich mehrere Workshops für frei(er) sich bildende Kinder in Kärnten geplant und organisiert und nun – nach…

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    Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen

    Maja (13) liebt es zu malen. Am allerliebsten packt sie seit Monaten ihre Aquarellfarben aus und lässt ihrer Kreativität freien Lauf. Hie und da versuche ich sie zu ermuntern, auch einmal andere Techniken anzuwenden und auszuprobieren. Der Dezember stand daher ganz im Zeichen der „Rastermalerei“ und der „Perspektive“. Ich verrate offen und ehrlich gleich vorneweg, dass beides Frust und Lust verursachte, ersteres aber immer wieder durchaus Oberhand gewann. Über das „Rasterbild“ werde ich in einem eigenen Beitrag berichten. Heute soll es um die ersten Versuche unserer Tochter gehen, Perspektiven nicht nur nach dem Prinzip „Daumen mal Pi“ zu berücksichtigen, sondern zu wissen, was man tut. Nun kommt aber bei heranwachsenden…

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    Die Eisläuferin

    Es soll sie geben: Kärntner, die nicht Schifahren können. Ich zähle dazu und mache auch keinen Hehl daraus. Warum das so ist, lässt sich einfach erklären: Meine Eltern hatten in meiner Kindheit schlicht kein Geld für eine entsprechende Ausrüstung. Ich vermisste das Schifahren nicht. Mit einem Plastiksackerl unter dem Hinterteil jagten wir in „wahnsinniger Geschwindigkeit“ die Hügel der Umgebung hinunter. Und anschnallbare Doppelkufen waren für meine blutjungen und frisch nach Klagenfurt gezogenen Eltern nicht nur leist-, sondern dazu auch noch mehrere Jahre hindurch verwendbar. Der Wörther See war vor der Jahrtausendwende noch regelmäßig vollständig zugefroren (zuletzt war das im Jahr 2006 der Fall) und wir lebten nicht weit vom See…