FreiBrief

Freie Meinung - Politik & Philosophie

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    WIEN – Krieg gehört ins Museum

    Unsere kurze Bildungsreise nach Wien neigte sich bereits dem Ende zu. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit liebgewonnenen Freunden im altehrwürdigen Café „Goldegg“ spazierten wir gemeinsam zum Heeresgeschichtlichen Museum. Das eindrucksvolle Gebäude bestehend aus sage und schreibe 117 Millionen Ziegeln zeugt selbst von einer nicht minder beeindruckenden Geschichte, die in die Zeit der bürgerlichen Revolution des Jahres 1848 zurückreicht. Um gegen mögliche zukünftige Aufstände der Bevölkerung vorgehen zu können, wurde die Errichtung einer Militärkaserne in Kanonenschussweite zur Innenstadt beschlossen und diese unter Kaiser Franz Josef I. im Jahr 1856 fertiggestellt. In der Feldherrenhalle erwartete uns inmitten der sechzig Offiziere aus Carrara-Marmor eine junge Historikerin, die uns im Rahmen der vorab gebuchten…

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    Qualitätsjournalismus

    Noch gibt es sie: unsere Printmedien. Krisengebeutelt klagen sie über sinkende Abonnentenzahlen und das Wegbrechen von Werbeanzeigen durch steigende Konkurrenz aus dem Onlinesegment. Warum sie diese komplexe Marktsituation nicht über eine Rückbesinnung zum ursprünglichen journalistischen Qualitätsanspruch auszugleichen versuchen, ist mir unerklärlich. Das Gegenteil passiert: Die Boulevardisierung der „seriösen“ Medien schreitet unaufhaltsam voran. Da fällt es auch nicht weiter auf, dass sowohl Korrektoren als auch Lektoren mittlerweile ganz offensichtlich zu den besonders bedrohten Arten zählen. Journalistische Textsorten in ihrer historischen Entwicklung und insbesondere aus der Perspektive des aktuellen Zeitzeugen zu betrachten, machte unserer Tochter Maja (13) und mir viel Spaß. Nachdem wir uns mit allerlei Begrifflichkeiten rund um Zeitungen auseinandergesetzt hatten,…

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    So ein Weich erkennt man gleich

    Europa. Sinnbild des Guten. Repräsentant des modernen Westens. Der Kontinent der unbegrenzten Möglichkeiten. Geburtsstätte der Dichter und Denker. Nach Jahren der Entbehrung, des Mangels und des Verlusts in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts stiegen Handel und Industrie Europas – händchenhaltend mit Uncle Sam – in ungeahnte Höhen auf, erkannten die Zeichen der Zeit, weckten und deckten Bedarf und Bedürfnis. Produkte, für die es keine Nachfrage gab, wurden schlicht so in Szene gesetzt, dass der Konsument gar nicht anders konnte, als sie zu begehren – mit freundlicher Unterstützung der ambitionierten Marketingabteilung, die selbst „Daumen-Erweiterungen für immer größer werdende Smartphones“ und „Smart Waste Kitchen Composter“ zu vermarkten imstande ist. Zwischenzeitlich kommt…

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    NIEDERÖSTERREICH – Geld wie Heu

    „Wenn man genug Geld hat, stellt sich der gute Ruf ganz von selbst ein“, bemerkte einst der deutsche Schriftsteller Erich Kästner. Wird man in eine vermögende Familie hineingeboren, spart man sich zudem die mühsame und zeitaufwendige Arbeit des sich Vernetzens, ganz abgesehen von eigener körperlicher Betätigung. Liest man über die verwandtschaftlichen Hintergründe und den Werdegang Richard Schoellers, so drängt sich einem das Bild von der „Butterseite“ auf. Als Kind einer erfolgreichen Industriellenfamilie, die ihr Geld mit Zucker, Bier, dem Bergbau, Papier und Textilien sowie Banken (Schoellerbank) machte, flogen ihm lukrative Geschäfte wohl Zeit seines Lebens zu. Ich bin diesem Mann nichts neidig. Der niederländische Universalgelehrte Erasmus von Rotterdam erkannte schon…

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    Lob des (N)normalen … Krankseins

    In Zeiten sich täglich wiederholender, medizinischer Superlative in Politik und Medien gibt es eine erstaunliche (aber nicht überraschende) Korrelation zwischen Menschen mit dramatischen Krankheitsverläufen eigentlich banaler Erkrankungen und dem Vertrauensgrad in staatliche Würdenträger und ihre Schergen. Man darf sich die Frage stellen, ob sich aus dem Grundsatz „primum non nocere“ möglicherweise das letzte Wort rausschlich und seitdem sein Unheil als „Nocebo-Effekt“ just unter jenen Menschen treibt, die den weißen Kittel (in der 0815-Ausgabe) immer schon ganz gerne zum Gott hochstilisierten oder zumindest seine Unfehlbarkeit in medizinischen Belangen unterstellten. Das macht natürlich nur vor dem Hintergrund einer zum reinen Wirtschaftsfaktor verkommenen Medizin Sinn, deren Betreiber und Berater ihrerseits über die Jahre…

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    Vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis …

    Der offizielle Lehrplan der Volksschulen in Österreich beginnt im ersten Teil mit wundervollen allgemeinen Bildungszielen, zu denen niemand wirklich „nein“ sagen kann, allen voran: „Ausgehend von den individuellen Voraussetzungen der einzelnen Schülerinnen und Schüler, hat die Grundschule daher folgende Aufgabe zu erfüllen: Entfaltung und Förderung der Lernfreude, der Fähigkeiten, Interessen und Neigungen; …“ Das unterstreiche ich vollinhaltlich. Wie das in der Praxis umgesetzt werden kann, wenn ein möglicherweise nicht ganz so idealistischer Pädagoge auf sechsundzwanzig Kinder ganz unterschiedlicher Fähigkeiten und Interessen stößt, bleibt dabei aber im Unklaren. Mir gelingt es als Mama von vier Kindern ja nicht einmal, jeden Tag nur solche Mahlzeiten auf den Tisch zu stellen, bei denen…

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    WIEN – Schönbrunn zwischen Kitsch, Romantik und verloren geglaubten Autoschlüsseln

    Lange, bevor unser erstes Kind das Licht der Welt erblickte und meine ersten Haare begannen, weiß zu werden, „entführten“ wir die Mutter meines Mannes einen Tag lang nach Wien. Ilona war eine fröhliche Frau mit rotem Haar und frechen Sommersprossen auf der Nase, gerne unter Menschen und lieber auf Reisen als ihr bodenständiger Mann, der Urlaub in der Werkstatt oder im Schrebergarten bis heute vorzieht. Noch nie zuvor war sie in der Hauptstadt gewesen und viele Jahre später schwärmte sie immer noch von dieser Vergnügungsfahrt. Nun waren wir mit unseren vier Kindern in der Stadt an der „schönen, blauen Donau“. Als uns kurz nach unserer Ankunft die traurige Nachricht erreichte,…

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    Weißes Haar und knittrige Haut

    „Mama, die Oma war ja immer so viel in der Kirche und hat gebetet. Weißt du, ich hoffe, sie hat bis zum Schluss an das glauben können, was sie sich für die Zeit nach dem Tod vorgestellt hat“, meinte meine 12-jährige Tochter am Samstagabend zu mir, nachdem sie erfahren hatte, dass ihre Großmutter diese Welt verlassen hatte – genau während unserer Wienreise. In ihrer Hand lag ein Bild von Oma, mit Buntstiften fein säuberlich gezeichnet, das sie eben so darstellte, wie sie beim letzten Besuch im Krankenhaus ausgesehen hatte. Unser dreijähriger Zwerg hüpfte – naturgemäß von der traurigen Stimmung im Raum größtenteils unbehelligt – umher und übte seinen neuen Wortschatz:…

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    Im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer

    Ich muss gestehen: Zeitgeschichte interessierte mich viel zu lange überhaupt nicht. Nachdem ich Ende der 90er Jahre maturiert und mit meinem Mann in jungen Jahren unser Unternehmengegründet hatte, war ich ganz zufrieden damit, über die hohe Steuerbelastung und die eine oder andere soziale Ungerechtigkeit zwar zu meckern, mich aber dennoch vom Staat beherrschen undausnehmen zu lassen. Das gesellschaftlich anerkannte „Wås soll ma denn schon groß måch’n?“, das mich in meiner ganzen Jugend seitens meiner Verwandtschaft begleitet hatte, war – gepaart mit der kärntnerischen Bequemlichkeit – in meinem Kopf dermaßen verfestigt, das ich politisches Hinterfragen (oder gar Aufmucken) als nicht lohnende Mühsal empfand. Mein Mann tickte da immer schon anders. Brennend…

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    Besichtigung einer Großbäckerei – Wirtschaftskunde in der Praxis

    Einer der größten Mängel unseres Bildungssystems ist der fehlende Bezug zur Realität. Hinter meist verschlossenen Türen füllen die Kinder beispielsweise Arbeitsblätter über die Bestandteile des Löwenzahns aus anstatt ihn auf der Wiese aus der Nähe zu betrachten, zu riechen, zu erfühlen und im Gespräch mit anderen wie von allein zu erfahren, wie er aufgebaut ist. Diese Situation bessert sich leider auch nicht in der Sekundaria. Maja (12) soll sich in diesem Jahr erstmals mit den Grundzügen unseres Geld- und Wirtschaftssystems auseinandersetzen. In der Theorie. Auf 18 Seiten werden den Jugendlichen Fachbegriffe des Kapitels „Gütererzeugung in Gewerbe und Industrie“ ohne jeglichen Bezug zur Praxis entgegengeschmettert. Ich halte von dieser Herangehensweise wenig.…