FreiGepäck

KROATIEN – Šibenik, die älteste kroatisch-native Stadt an der Adria

Šibenik wurde vor über tausend Jahren von den Kroaten gegründet und liegt in einer pittoresken Bucht unweit der Mündung des Flusses Krka in die Adria. Abwechselnd beherrscht von den Venezianern, ungarisch-kroatischen Königen und den Franzosen war Šibenik ab dem 15. Jahrhundert bis zum Beginn des ersten Weltkriegs – wie ganz Dalmatien – Teil der österreich-ungarischen Monarchie. All diese Einflüsse erkennt man noch heute am Stadtbild.

Relativ kurzfristig hatten wir beschlossen, unseren Tag in Šibenik mit einer Exkursion zur Festung St. Nikolas – „Tvrđava sv. Nikola“ – zu beginnen. Die imposante militärische Festung, die in der Kategorie „Verteidigungssysteme der Republik Venedig im 16. und 17. Jahrhundert“ zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, kann erst seit kurzem und nur über eine Exkursion der öffentlichen Institution „Natur des Landkreises Šibenik-Knin“ besucht werden.

Mit dem kleinen Boot und unter der bemühten Fürsorge unserer Exkursionsleiterin Danijela durchquerten wir den Kanal des Heiligen Antonius, dem einzigen Seeweg zur und aus der Stadt, und erfuhren, dass Šibenik in der Vergangenheit daher zu den sichersten Hafenstädten zählte.

Nach etwa einer halben Stunde erblickten wir die Festung vor uns.

Die Festung entstand im 16. Jahrhundert nach den Plänen des venezianischen Architekten Michele Sanmicheli, dem bedeutendsten Festungsbaumeister seiner Zeit. https://en.wikipedia.org/wiki/File:Vincenzo_Coronelli,_S._Nicol%c3%b2_di_Sebenico.jpg
Wir konnten „Sveti Nikola“ mittels Audioguide eine Stunde lang erkunden und Danijela jederzeit mit zusätzlichen Fragen löchern, die sie ausführlich beantwortete.

Die Festung war mit 32 Kanonen bewaffnet, die von den hier Stationierten unentwegt gewartet werden mussten. Dem Kommandanten war das Verlassen der Festung unter Androhung der Todesstrafe für die Dauer seines Einsatzes verboten. Ich versuchte mir vorzustellen, was das bedeutete. Denn eines sei gesagt: Eine militärische Einrichtung dieser Art ist kein Luxushotel. Auf der Terrasse waren kleine, zweckdienliche Baracken für die Soldaten eingerichtet. Eine große Zisterne und ein Backofen dienten der Versorgung der Soldaten. Im unteren Teil der Festung befand sich – neben der Schwarzpulverkammer und einem Gefängnis – ein Bad. Mehr Annehmlichkeiten gab es hier nicht. Dennoch wurde dem Architekten vorgeworfen, er hätte sich bei der Planung der Festung zu sehr um die Ästhetik bemüht, anstatt sich auf die militärische Funktionalität zu konzentrieren.

Nach der ausführlichen Erkundung dieses imposanten Bauwerks legten wir wieder ab.

Land in Sicht! Šibenik voraus!

Wir füllten unsere obligatorischen Wasservorräte auf und machten uns auf den Weg, die historische Altstadt ein paar Stunden lang zu erkunden – unter den Protesten unseres Teenagers (15), der zu wenig Schlaf, zu wenig Essen, zu hohe Temperaturen und zu viele Stufen in der Altstadt beklagte. Und doch bezwang auch er die steinernen Treppen zur Festung St. Michael, „Tvrđava sv. Mihovil“, der ältesten Festung Šibeniks, die im 11. Jahrhundert unter dem kroatischen König Petar Krešimir IV. errichtet wurde. Unter ihr liegt der Friedhof der Stadt, der gleichzeitig einen traumhaften Ausblick auf das Umland offenbarte.

Das geschichtsträchtige Zentrum der Stadt ist geprägt von charmanten Gässchen und Winkeln. Die Steinmauern rufen einem Geschichten aus längst vergessenen Zeiten entgegen. Gleichzeitig ist jede Ecke von neuem Leben erfüllt.

Nach einem ausgiebigen Stadtbummel aßen wir zu Mittag, wodurch sich Laurins (15) Laune schlagartig besserte.

Ich wollte mich auf die Suche nach der „Eisernen Bank von Braavos“ aus der Serie „Game of Thrones“ machen, der Kathedrale des Heiligen Jakob. Der Weg dorthin war genauso schmuck wie alles bisher Gesehene.

Stadtplatz – „Trg Republike Hrvatske“
Statue des Bildhauers Juraj Matvejev Dalmatinac

Und da war sie auch schon! Während die drei großen Kinder in der Nähe einen Geocache suchten (und fanden), stand ich vor dem eindrucksvollen Gotteshaus aus Marmor und weißem Kalkstein, das völlig ohne Mörtel gebaut wurde.

Den Abschluss unseres Rundgangs sollte ein Café-Besuch im mediterranen Garten des Laurentius-Klosters bilden. Unmittelbar darunter entdeckten wir die Grotte der Heiligen Madonna von Lourdes. Und obwohl wir nicht gläubig sind, fanden wir es schön, hier eine Kerze für unser verstorbenes Kind Emil anzuzünden, der heuer fünf Jahre alt geworden wäre.

Der revitalisierte Klostergarten ist ein echtes Schmuckstück der Stadt. Hier kann man stundenlang sitzen, Kaffee oder ein kühles Getränk genießen und seinen Gedanken nachhängen.

Leider verflog der Tag viel zu schnell. Der historische Stadtkern Šibeniks ist jedenfalls einen Besuch wert!

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.