FreiHand

Frau Holler

Das war knapp! Um ein Haar hätten wir auf die diesjährigen Holunderblüten-Allerleis verzichten müssen. Der Beginn der Externistenprüfungszeit und eine innerfamiliäre Schnupfen-Pandemie *) setzten uns außer Gefecht und *schwupps* war die Blütezeit im Tal auch schon wieder vorüber. Die Mama von Majas neuer Freundin rettete uns. Die Familie wohnt und lebt im Gemeindegebiet Wernberg unweit des Sternbergs vielleicht 100 m höher als wir selbst, was die Holunderblütenzeit um ein bis zwei Wochen nach hinten verlagert. Rund um ihr Haus stehen einige prächtige Sträucher und wir waren eingeladen, dort Blüten für unseren Bedarf zu ernten. Vielen Dank noch einmal an dieser Stelle! Wer wochenends in der Gegend dort übrigens einmal spazieren resp. wandern möchte, dem sei eine Einkehr in ihrer Jausenstation „Råstplatzl“ wärmstens ans Herz gelegt.

Um nicht auch noch diese Erntechance zu verpassen, raffte ich mich trotz dramatischer Krankheitssymptome (Schnupfen, Kratzen im Hals, Kopfschmerzen, Müdigkeit) *) zusammen, machte einen Test („Kann ich nur schwankend gehen?“) *) und zur Sicherheit sogar noch einen zweiten Test („Sehe ich mehrfach?“) *), schnappte mir nach doppelt negativer Auswertung *) die beiden mittleren Kinder zur Unterstützung und fuhr schnell zum Ort des Glücks – immerhin sollen Holunderblüten als Tee oder Aufguss tatsächlich just gegen meine vorhandenen Wehwehchen helfen. Wer weiß, vielleicht kann ich so Infektionsketten gezielt verhindern *)?

*) Anmerkung des Autors: Die kursiv gedruckten Formulierungen wurden politisch korrekt an die Pandemiesprache der Superlative der Jahre 2020-2022 angepasst. Man darf so etwas nicht verharmlosen!

Da ist sie: unsere Ernte! Frau Holle(r) hätte ihre Freude daran!

Dreierlei Schmankerln waren geplant. Den Anfang machte ein Holunderblüten-Brot, wobei ich das mir vorliegende Rezept kurzerhand an meine Kühlvorräte anpasste und Buttermilch verwendete.

Noch nie zuvor hatte ich einen Germteig produziert, der dermaßen stark aufgegangen war. Entsprechend fluffig war das Brot dann. Ob das an den Holunderblüten lag?

Um den feinen Blütengeschmack herauszuschmecken, muss man aber schon ein rechter Feinspitz sein. Mein doch eher – was das leibliche Wohl betrifft – pragmatischer Mann, konnte es nicht einmal erahnen. Gut, unter einem halben Zentimeter selbst gemachter Erdbeermarmelade schmeckt aber auch jedes Brot irgendwie gleich. „Guat håt’s g’schmeckt“, war sein Kommentar. Und da diese Worte immer als höchstes Kompliment an die Küche zu interpretieren sind, war ich zufrieden.

Was natürlich nicht fehlen durfte, war ein ordentlicher Ansatz Holunderblütensirup. Da jener während des Schreibens dieser Zeilen noch ziehend im größten Topf des Hauses verweilt, kann ich euch noch kein Bild des fertigen Produkts zeigen. Kleiner Tipp: Zum nächsten Wochenende kann ich Gästen schon den Sirup dieses Jahres aufwarten.

Aus den übriggebliebenen dreißig Dolden wurden dann noch rasche „Hollerkücherl“. Leider wurde der Teig eine Spur zu fest, weshalb sich die Blüten nicht so gut durchziehen ließen.

Meiner Ansicht nach aber sah das Ganze dennoch sehr ansehnlich aus.

Und mit frischen Erdbeeren aus dem Erdbeerland, die mein Mann mit den Kindern in der Zwischenzeit geerntet hatte, war das Abendessen einfach perfekt!

Aber jetzt hieß es wieder: „Rasch ins Bett!“ … Moment. Vier Kilogramm Erdbeeren???

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