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STEIERMARK – Besichtigung „Lodenwalker“ in Ramsau

Verglichen mit den beiden vorangegangenen Urlaubstagen regnete es heute so RICHTIG. Unser Urlaubstag begann so, wie ihn sich alle Eltern von mehreren Kindern sicher gut vorstellen können. Der 2jährige Minizwerg forderte mit sanftem Klopfen seiner Fäustchen auf meinen Kopf, meine Schultern und meinen Rücken sofortiges Aufstehen ein. Um 7:00 Uhr früh. Meine Hoffnung, ihn durch sanftes Streicheln noch einmal zum Weiterschlafen bewegen zu können, war nach etwa einer Minute zunichte gemacht, denn das lautstarke Öffnen und Schließen der Kinderzimmertüre nebenan war ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sich auch hier schon allmorgendliches Leben breitmachte. Dieses Leben zeigte sich dann auch gleich in Form zweier Kopfsilhouetten an der Türe zum Schlafzimmer, die beim Versuch, besonders leise geöffnet zu werden, besonders laut knarrte. Und das alles bemerkte natürlich mit hyperfeinen Kleinkind-Sensoren auch das Bärchen neben mir und saß flugs mit einem breiten Grinsen senkrecht im Bett – bereit für neue Taten.

Mann und Tochter (11) heizten gleich den Zusatzherd in der Küche ein, womit wir es richtig gemütlich hatten. Warum es im Erdgeschoss über Nacht so sehr abkühlen konnte, offenbarte sich erst, als wir unseren Teenager zum Frühstück wecken wollten. Wie üblich hatte er nämlich des Nachts die Fenster geöffnet, was bei 7°C Außentemperatur am Vorabend nicht ohne Konsequenzen blieb. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass unser Großer von einem Eisbären abstammt (dazu passt auch die Winterruhe, die beide – Eisbär und Kind – unbestritten halten – einer davon in Form von Winterschlaf das ganze Jahr über). Leider schüttete es auch eine Stunde später noch wie aus Kübeln und wir beschlossen, eine Erkundungsfahrt mit dem Auto zu machen und alles Weitere spontan zu entscheiden.

Das erste Etappenziel legte mein Göttergatte mit Ramsau am Dachstein nordwestlich von unserer Basis aus fest. Vom Dachstein war leider nichts zu sehen. Wolken umhüllten das ganze Massiv tief und gaben nicht einmal für einen Moment einen Blick auf Felsiges frei.

Was wir allerdings sofort entdeckten war die Zufahrt zu „Lodenwalker“ https://lodenwalker.at/, einem uralten Traditionsbetrieb zur Lodenherstellung. Ich rechne es allen anderen Familienmitgliedern hoch an, dass sie auch bei der gefühlt 100.000sten Besichtigung einer Stofffabrik noch immer mit mir mithatschen und höchstes Interesse bekunden.

Für Einzelbesucher ist die Besichtigung der Produktionsstätte ganz unkompliziert und kostenfrei. Ohne Begleitung durch das Personal darf man einfach durch die verschiedenen Hallen spazieren und Eindrücke sammeln – nur wenige Bereiche (zB die Färberei) bleiben für Besucher gesperrt.

Und weil man immer im Leben dazulernt, hielt auch dieser Ort wieder Neues für uns bereit. In der „Lodenwalkerei“ werden Decken nach wie vor mit Naturkarden aufgeraut. Das ist vor dem Hintergrund, dass letztes Jahr die erste Wilde Karde in unserem Naturgarten aufgegangen war, besonders toll.

So nebenbei: Fällt irgendwem sonst die wunderschöne alte Schreibweise von „rauh“ auf der Hinweistafel auf?

Besonders „fies“ war allerdings das Lodengeschäft im Obergeschoss. Wer kann nach solchen Einblicken in die Herstellung dem Kauf eines hochwertigen Loden-Kleidungsstücks widerstehen?

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