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    Geschickt gestickt (oder: „Nach Ostern ist vor Ostern“)

    Ich nehme ja an, dass neuerdings eine subtile Ankündigung der frühen Wechseljahre´diese gewisse Form von Demenz bewirkt, die meinen privaten Alltag kennzeichnet. Da werden in letzter Zeit Autoschlüssel verlegt, Geburtstage vergessen oder Kinder im Pyjama zum Ausflug mitgenommen. Zumindest kann da diese hochgradig intellektuell klingende (und vermutlich absolut unwissenschaftliche) Erklärung (Östrogenmangel im Hippocampus) praktischerweise als Ausrede herhalten, wie es zuvor eben das lange Stillen meiner Kinder tat. Das Eingeständnis primitiver Zerstreutheit hat so etwas … Vulgäres. Also lieber lassen. Seid euch einfach gewiss, dass es ganz bestimmt die Hormone waren, die mich in diesem Beitrag ein Oster-Werkstück unseres Drittgeborenen Ende Mai präsentieren lassen. Ich entführe euch infolgedessen kurzerhand noch einmal…

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    WIEN – Krieg gehört ins Museum

    Unsere kurze Bildungsreise nach Wien neigte sich bereits dem Ende zu. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit liebgewonnenen Freunden im altehrwürdigen Café „Goldegg“ spazierten wir gemeinsam zum Heeresgeschichtlichen Museum. Das eindrucksvolle Gebäude bestehend aus sage und schreibe 117 Millionen Ziegeln zeugt selbst von einer nicht minder beeindruckenden Geschichte, die in die Zeit der bürgerlichen Revolution des Jahres 1848 zurückreicht. Um gegen mögliche zukünftige Aufstände der Bevölkerung vorgehen zu können, wurde die Errichtung einer Militärkaserne in Kanonenschussweite zur Innenstadt beschlossen und diese unter Kaiser Franz Josef I. im Jahr 1856 fertiggestellt. In der Feldherrenhalle erwartete uns inmitten der sechzig Offiziere aus Carrara-Marmor eine junge Historikerin, die uns im Rahmen der vorab gebuchten…

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    WIEN – Zu Hause bei Daniel Düsentrieb

    Ausschlaggebend für unsere Bildungsreise nach Wien war ja ursprünglich das Theorie-Thema „Musicals“ in Majas Musikbuch. Zwar hätte es ganz gewiss keinen gesonderten Motivationsschub für Maja (13) und Linus (10) gebraucht, jedoch habe ich schlicht große Freude daran, den interessierten unter unseren Kindern ein dermaßen eindrückliches Erlebnis wenigstens einmal in ihrer Jugend zu ermöglichen. Ich selbst habe den „Tanz der Vampire“ nie vergessen. Blutjung und frisch verliebt hatten mein Mann und ich von meinen Eltern die Karten geschenkt bekommen und denken heute noch gern an die beeindruckende Vorstellung in den späten 90er Jahren. Um uns die Zeit bis zur Vorstellung von „Das Phantom der Oper“ zu vertreiben, hatten wir geplant, erstmals…

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    WIEN – Auf Hundertwassers Spuren

    Nachdem wir – meine beiden mittleren Kinder Maja (13) und Linus (10) und meine Wenigkeit – den Erkundungspfad des Wiener Jugendstils verlassen hatten, vollzogen wir mit der Suche nach Spuren des bekannten Künstlers und Architekten Friedensreich Hundertwasser einen künstlerischen Epochensprung. Geboren als Friedrich Stowasser im Dezember 1928 erlebte er eine Kindheit voller politischer Umbrüche. Als Schüler einer privaten Montessorischule wurde ihm schon früh ein besonderer Sinn für Farben und Formen attestiert. Unter politischem Druck musste sich der junge Hundertwasser dann im Alter von zehn Jahren nicht nur im Rahmen der „Jugenddienstpflicht“ der Hitlerjugend anschließen, sondern wechselte auch auf Wunsch der Mutter an eine „unauffälligere“ staatliche Schule, an der er schlussendlich…

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    WIEN – Im April zum Jugendstil

    Keine zwei Tage waren seit unserem sommerlichen Grillnachmittag im Bärental vergangen, als sich eine zentimeterdicke Neuschneedecke über unsere Heimatstadt und ihre blühenden Apfel- und Kirschbäume legte. „Im Ernst jetzt?“, maulte Maja (13). Es half nichts. Der April macht eben, was er will. In erster Linie bedeutete der Wetterumschwung, dass wir unsere Koffer für das geplante Wien-Wochenende umpacken mussten. Kurze Hosen raus, Winterjacken rein. Die Devise hieß unverändert Gepäck sparen. Die Bahnstrecke war am Semmering für einige Wochen vollständig gesperrt. Zwölf Kilometer Gleise sollten neu verlegt und 19 Weichen getauscht werden. Für uns Reisende bedeutete dies, den Zug in Mürzzuschlag zu verlassen und mit dem Schienenersatzverkehr nach Wiener Neustadt zu fahren,…

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    Bärentalgrillerei

    Wenn sich im Frühling die ersten richtig warmen Tage durchsetzen, frühmorgens schon ganze Heerscharen von Singvögeln ihre Lieder trällern und Bäume und Sträucher hellgrüne Knospen und weiße Blüten treiben, schreit es uns regelrecht an: „Lasst all die Arbeit liegen und geht raus in die Natur!“ Wenn dann auch noch Freunde demselben Ruf folgen, macht es natürlich doppelt Spaß. Unseren gewohnten Grillplatz fanden wir in veränderter Form wieder. Ein Felssturz aus dem ohnedies eher lockeren Konglomerat hatte den Bachlauf verlegt und den Uferbereich umgestaltet. Unsere Freunde warteten schon am Wasser. Merlin (4) war leider gestürzt, als er allzu enthusiastisch den Schotterweg abwärts lief. Mit blutüberströmtem Knie schlief er Minuten nach unserer…

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    ITALIEN – Laghi di Fusine (Weißenfelser Seen)

    Mit seinen Wetterkapriolen macht der April heuer seinem Namen alle Ehre. Regen, Schnee und Sonnenschein reichen sich oft innerhalb von Stunden die Hand. Für unseren geplanten Ausflug knapp über die italienische Grenze hatten wir uns einen zwar bedeckten, ansonsten aber stabilen Frühlingstag ausgesucht. Das kleine Städtchen Tarvis im Kanaltal des nördlichen Friaul ist von unserem Zuhause aus in einer knappen halben Stunde Autofahrt erreichbar. In der Nähe liegt die kleine Ortschaft Fusine di Valromana. Am Fuße der Nordseite des imposanten 2.679 m hohen Mangart liegen die idyllischen Weißenfelser Seen, gespeist vom Wasser, das durch die Gesteinsschichten des Berges hindurchfließt. Die schneebedeckten Hänge des vierthöchsten Berges der Julischen Alpen spiegelten sich…

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    Der beste Müll ist der, der gar nicht erst entsteht.

    Bedenkt man, dass die im Pazifik schwimmende Plastikinsel mittlerweile dreimal so groß sein soll wie Frankreich, muss man beschämt seine Augen senken. Welche Welt hinterlassen wir da bloß unseren Kindern? Wir bemühen uns seit mittlerweile drei Jahrzehnten, es zumindest ein klein wenig besser zu machen, ein Vorbild zu sein, ohne in eine moralische Hybris zu verfallen. In der Hoffnung, dass wenigstens unsere eigenen Kinder erkennen, dass uns ihr Heimatplanet zu keiner Zeit egal war, thematisieren wir immer wieder, warum wir Möbeln aus Massivholz, Kleidung aus Naturfasern, unverpackten Lebensmitteln und Getränken in Glasflaschen den Vorzug geben. Trotzdem gibt es noch immer viele Bereiche, in denen wir uns verbessern könnten, kämen uns…

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    Morgenröte

    Die weißen Strähnen meines Hauptes und die zunehmenden Fältchen in meinem Gesicht deuten eigentlich darauf hin, dass die zweite Hälfte meines Lebens längst begonnen hat. Gefühlt durchlebe ich seit dem vierten Geburtstag unseres jüngsten Kindes und die dadurch begründete wiedergewonnene Freiheit jedoch einen weiteren jugendlichen Frühling. Zugegeben: Hie und da wird dieser Lenz von heftigen Stürmen unserer hormongeschwängerten Jugendlichen durchgebeutelt. Meine Ziele und Träume für die nächsten Jahrzehnte sind vielfältig. Fest steht, dass es mich wieder in die Berge zieht. Leider ging meine ursprünglich ganz passable Kondition irgendwo am Weg bis heute verloren und wartet darauf, wieder aus dem Dornröschenschlaf erweckt zu werden. Und da in Kärnten der Grundsatz „von…

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    Die Prinzessin auf der Erbse

    Immer wieder kramen unsere Sprösslinge meine verstaubten Grimm- und Andersen-Märchenbücher aus Kindertagen hervor und lassen sich daraus vorlesen. Manchmal wird aus den Lesestunden auch mehr. Je nach Alter und Verständnis der Kinder diskutieren wir dann über geschichtliche Hintergründe oder auch einfach nur über die Merkmale der Textgattung. Ich selbst fand „Sprachbetrachtung“ in der Schule wahnsinnig langweilig und bemühe mich daher umso mehr, die Begeisterung unserer Kinder dafür zu wecken. Linus (10) findet zum Beispiel dieses Legematerial von „HexeLotta“ total ansprechend, das gleich nach dem ersten Ausprobieren einen dauerhaften Platz auf unserem Kühlschrank bekam: Einen Lieblingsmärchen-Podestplatz belegt „Die Prinzessin auf der Erbse“. Kein Wunder also, dass Linus sofort Feuer und Flamme…