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Des Kaiserpinguins neue Kleider
Kennt ihr solche oder ähnliche Situationen? Man steht mit den Kindern mitten im Winter am Bahnsteig und ein durchfahrender Güterzug hinterlässt einen unangenehmen, frostigen Luftstrom, dem man nicht wirklich entrinnen kann. „Pinguinkuscheln!“, rufe ich dann hie und da den Kindern zu, die in aller Regel grinsend angewatschelt kommen, damit wir uns gegenseitig ein wenig Wärme schenken können. Szenenwechsel: Antarktis. – 50 °C. Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h. Brutzeit der Kaiserpinguine. Während sich die Weibchen um die Nahrungsbeschaffung kümmern, halten die Männchen auf der gut durchbluteten Oberseite ihrer Füße die Eier warm. Um zu überleben, bilden sie ein sogenanntes „Huddle“, welches in komplizierten Wellenbewegungen die einzelnen Mitglieder der kollektiven Kuschelgruppe…
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Glücksbringer im Februar
Gut Ding‘ braucht Weile, heißt es doch so schön, nicht wahr? Warum also nicht Glücksbringer (fertig) basteln, wenn ihre Hauptsaison längst vorüber ist? Möglicherweise steigt ja sogar ihre Wirkkraft durch die geringere Konkurrenz? Linus startete sein Glücksbringer-Kunst-Projekt ambitioniert nur wenige Tage nach dem Jahreswechsel. Wir hatten uns vorab über „Farbharmonien“ unterhalten und festgestellt, dass jeweils zwei Primärfarben samt aller dazwischenliegenden Farbtöne ein harmonisches Gesamtbild erzeugen, welches man in seiner Farbhelligkeit durch Zugabe von Weiß oder Schwarz verändern kann. Vor diesem Hintergrund wählte unser Junge also passende Temperafarben und gestaltete zwei Zeichenblätter. Für das erste Blatt hatte er Gelb, Grün und Blau ausgesucht. Beim zweiten Zeichenblatt hatte er bereits einen konkreten…
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Leise sprießelt der Klee …
So richtig will der Winter ja wieder einmal nicht in Fahrt kommen. Dabei liegt es gar nicht so sehr an den Temperaturen, sondern schlicht an konsequentem Niederschlagsmangel. Die Kinder jubeln schon, wenn über Nacht die Wiesen wenigstens ein bisschen angezuckert werden. Aber auch das ist eher der Ausnahmefall. „Dann holen wir uns den Winter eben ins Wohnzimmer“, war mein Gedanke und Merlin (5) war gleich Feuer und Flamme. Er liebt es zu malen, bevorzugt in Gesellschaft. Und da seine Geschwister nicht zu Hause waren, griff kurzerhand ich selbst zum Pinsel. Er beobachtete mich ganz genau und imitierte Schritt für Schritt, was ich tat. Es war schlicht sein Wunsch, es mir…
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Warum Rentiere fliegen können …
Wie auch immer man die teils stürmische Zeit nennen mag, die in Europa durch besonders lange Nächte und eisige Temperaturen ausgezeichnet ist, so liegt ihr in jedem Fall eine gewisse Mystik zugrunde. Julfest, Weihnachten, Raunächte, Wintersonnenwende … Heidnisches vermischt sich mit Christlichem und so manche rituelle Überschneidung lässt sich aus den zahllosen Märchen, Sagen und Legenden herauslesen, die in unzähligen frostigen Winternächten bildreich erzählt und aufgeschrieben worden waren. Die „Wilde Jagd“ ist eine dieser Geschichten. Ob nun der einäugige germanische Gott der Erkenntnis Odin oder Frau Perchta, die alpenländische Göttin der Anderswelt, zum Protagonisten der jeweiligen Erzählung auserkoren wird, stets wird ein Seelenheer der Verstorbenen angeführt und ist den Lebenden…
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Garben aus Klimt
Als wir uns bei unserer kurzen Bildungsreise nach Wien mit der Architektur des Jugendstils beschäftigten, stolperten wir natürlich über kurz oder lang auch über die Werke des Malerfürsten dieser Epoche, Gustav Klimt. Obwohl unsere Tochter (13) in den Wochen nach unserer Heimkehr die künstlerische Ära des angehenden 20. Jahrhunderts eigentlich wieder ad acta gelegt hatte, kramte sie die Stilelemente Klimts im Rahmen ihres Getreideprojektes wieder hervor. Sie war eingeladen, an ihrer Prüfungsschule einen Vortrag zum Thema zu halten und fertigte in diesem Zusammenhang auch ein Lapbook an, das ich euch in Kürze in einem eigenen Beitrag vorstellen darf. Bei der Gestaltung des Titelbildes zum Lapbook orientierte sie sich vornehmlich an…
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Der Baum der Jugend
Ihre weiße Rinde dient der Menschheit schon seit tausenden Jahren. Dünne Streifen davon sind selbst in feuchtem Zustand mehr als brauchbarer Zunder für ein wärmendes Feuer. Als vielseitiger Werkstoff für die Herstellung unterschiedlicher Gefäße, Schuhe oder Messerscheiden wird sie seit jeher von vielen Kulturen geschätzt. Das aus der Rinde gewonnene Pech macht jedem modernen Sekundenkleber Konkurrenz. Seit dem Mittelalter ist sie außerdem als Naturheil- und Verbandmittel bekannt. Man kann mit ihr Dächer eindecken und Bögen bespannen. Die Rede ist von der Rinde der Birke, dem Baum des Neuanfangs und der Jugendlichkeit. Wenn die Birkenblätter nach dem Winter in einem erfrischend hellen Grün zu sprießen beginnen und gleichzeitig das Licht fast…
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Die Prinzessin auf der Erbse
Immer wieder kramen unsere Sprösslinge meine verstaubten Grimm- und Andersen-Märchenbücher aus Kindertagen hervor und lassen sich daraus vorlesen. Manchmal wird aus den Lesestunden auch mehr. Je nach Alter und Verständnis der Kinder diskutieren wir dann über geschichtliche Hintergründe oder auch einfach nur über die Merkmale der Textgattung. Ich selbst fand „Sprachbetrachtung“ in der Schule wahnsinnig langweilig und bemühe mich daher umso mehr, die Begeisterung unserer Kinder dafür zu wecken. Linus (10) findet zum Beispiel dieses Legematerial von „HexeLotta“ total ansprechend, das gleich nach dem ersten Ausprobieren einen dauerhaften Platz auf unserem Kühlschrank bekam: Einen Lieblingsmärchen-Podestplatz belegt „Die Prinzessin auf der Erbse“. Kein Wunder also, dass Linus sofort Feuer und Flamme…
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Oleum Lini – Ein natürlicher Fußbodenbelag als Druckträger
Die Erfindung des Linoleums Ende des 19. Jahrhunderts war einem Zufall geschuldet. Dass die Leinölmasse auf Jutegewebe in weiterer Folge nicht nur als Bodenbelag reißenden Absatz finden, sondern auch im Kunstsektor Einzug halten sollte, war für den englischen Chemiker Sir Frederick Walton nicht erwartbar. Die konservativen Hochdruckkünstler hielten vorerst am traditionellen Material „Holz“ fest, lobten die Möglichkeiten, dessen Maserung in das Kunstwerk miteinbeziehen zu können und öffneten sich nur zögerlich und mit viel Kritik dem neuen Werkstoff. Vor allem an Schulen aber erfreute sich Linoleum als leicht zu bearbeitender Bilddruckträger im Kunstunterricht wachsender Beliebtheit. Schon als sich unser ältester Sohn Laurin vor einigen Jahren zum ersten Mal dem Linolschnitt widmete,…
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Tee ist flüssige Weisheit
Der mehr oder weniger schneelose Winter neigt sich wohl endgültig seinem Ende zu. Die Kohlmeisen und Hausspatzen hüpfen schon wieder flink über das noch braune Gras und zupfen hie und da mit dem Schnabel einen losen Halm aus der Wiese. Die Schneeglöckchen und Schlüsselblumen stoßen ihre bunten Köpfchen kräftig durch das Laub des vergangenen Herbstes. Und dennoch ist der Himmel regelmäßig wolkenbedeckt, sodass die Farben in der Natur noch gedeckt wirken. Ungebrochen hoch ist die tägliche Lust auf eine warme Wolldecke sowie heißen Tee. Mit erfrischend blauen Pinselstrichen durchbrach Maja (13) die trübe Übergangszeit, hielt aber mit den darauf folgenden braunen Farbtönen sowie der Gestaltung einer zarten Blumentapete doch wieder…
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Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen
Maja (13) liebt es zu malen. Am allerliebsten packt sie seit Monaten ihre Aquarellfarben aus und lässt ihrer Kreativität freien Lauf. Hie und da versuche ich sie zu ermuntern, auch einmal andere Techniken anzuwenden und auszuprobieren. Der Dezember stand daher ganz im Zeichen der „Rastermalerei“ und der „Perspektive“. Ich verrate offen und ehrlich gleich vorneweg, dass beides Frust und Lust verursachte, ersteres aber immer wieder durchaus Oberhand gewann. Über das „Rasterbild“ werde ich in einem eigenen Beitrag berichten. Heute soll es um die ersten Versuche unserer Tochter gehen, Perspektiven nicht nur nach dem Prinzip „Daumen mal Pi“ zu berücksichtigen, sondern zu wissen, was man tut. Nun kommt aber bei heranwachsenden…