-
SLOWENIEN – Herbstfrüchte aus Feistritz am Sattelbach/Bistrica ob Sotli
Hie und da tut es einer langjährigen Partnerschaft einfach gut, wenn Mann und Frau für kurze Zeit getrennte Wege gehen. Die Distanz belebt, was der Alltag zuvor zur Selbstverständlichkeit degradierte. Mein geliebter Mann erträgt meine Flausen nun schon seit 25 Jahren. Ich glaube, er war ganz froh über meine Ankündigung, dass ich ein paar Tage mit den Kindern auf Bildungsreise nach Slowenien zu fahren gedachte. Ziel unseres Kurzurlaubes war die historische Untersteiermark, genauer gesagt der Kozjanski Landschaftspark. Untergebracht waren wir malerisch inmitten herbstlich gefärbter Weinberge nahe der slowenischen Ortschaft Bistrica ob Sotli (zu deutsch: Feistritz am Sattelbach), die kroatische Grenze lediglich einen Katzensprung entfernt. Meine Idee war es, im Rahmen…
-
Apfelmus
„Wilt du machen ein apfelmus. so nim schöne epfele und schele sie. und snide sie in ein kalt wazzer. und süde sie in einem hafen. und menge sie mit wine und mit smaltze. und ze slahe eyer mit wiz und mit al. und tu daz dor zu. und daz ist gar ein gut fülle. und versaltz niht“, beschreibt schon „Das Buoch von guoter Spise“ (entstanden um das Jahr 1350, gedruckt im Jahr 1844 vom „Literarischen Verein in Stuttgart“). Als ich eine ganze Kiste voller Kärntner Äpfel vor der Haustüre stehen hatte, wusste ich sofort, dass diese wohlduftenden Früchte an einem kalten Wintertag am Esstisch landen sollen – bevorzugt als Beilage…
-
KÄRNTEN – Fossiliensuche in Wietersdorf
Fährt man durch Unterkärnten, vorbei an St. Veit/Glan und Brückl, die prachtvolle Burg Hochosterwitz hinter sich lassend, so kann man sich kaum vorstellen, dass dieses Gebiet vor 50 Millionen Jahren von einem riesigen Meer bedeckt war. Korallen, Algen, Seelilien, Seeigel, Einzeller und Haie besiedelten dieses Flachmeer. Durch Gebirgsbildungsprozesse, tektonische Verschiebungen, Hebungen und Abtragungen wurden die einstigen Lebewesen zu versteinerten Relikten ihrer Zeit. Am Betriebsgelände der Wietersdorfer Zementwerke können jene paläontologisch bemerkenswerten Fossilien – eingebettet im mehrere hundert Meter mächtigen kalkigen Zementmergel – geborgen werden. Der Steinbruch darf von Privatpersonen nicht betreten werden. Jedoch gibt es die Möglichkeit, an der alljährlichen Exkursion des NWVK (Naturwissenschaftlicher Verein Kärnten) teilzunehmen, der über eine…
-
Gibt’s zu viel Marotten im Staat …
dann iss eine Gabel Karottensalat. So lautet schon eine alte Kärntner Bauernweisheit. Und da das „Land am Strome“ seine Energie aus Wasserkraft offenbar steuerschonend gegen Atomkraft aus dem Ausland eintauscht, Energiepreise ohnedies neuerlich europaweit gewürfelt statt kalkuliert werden und sich die Medien mit Schlagzeilen über drohende Blackouts gegenseitig übertrumpfen, beschlossen wir, unseren großen Gefrierschrank suzessive zu leeren und neue Vorräte für den nahenden Winter zwar mit Strom herzustellen, aber wenigstens ohne Strom zu lagern. Auf gut Deutsch: Einkochen ist wieder hip im Hause Amplatz. Im eigenen Garten hatten wir zwar auch Karotten angebaut, die wurden und werden aber in aller Regel frisch aus der Erde direkt verspeist. Größere Mengen an…
-
KÄRNTEN – Zum Altweibersommer auf die Khünburg
In Kärnten herrschen zur Zeit traumhafte Bedingungen für ausgedehnte Spaziergänge. Die Temperaturen sind mild, die Luft frisch und klar und das tief stehende Sonnenlicht intensiviert das herbstliche Farbenspiel bunt gefärbter Blätter. Wir hatten uns vorgenommen, über den Jägersteig zur Khünburg nahe dem Pressegger See zu wandern. Die breite „Autobahn“ alias „kinderwagengeeignete Forststraße“ zog weder uns noch unsere Kinder an. Wer kommt auf die Idee, solche grässlichen, monotonen Wege dermaßen brutal ins Gelände zu schlagen? Wir bevorzugen jedenfalls kleine, laubbedeckte Trampelpfade und marschieren am allerliebsten über Stock und Stein, selbst wenn die eine oder andere Stelle etwas schwerer zu passieren ist und den Kindern Konzentration abverlangt. Zunächst begann der Jägersteig aber…
-
Schimmelpilze – biologisch betrachtet
Manchmal bin ich mir bei der Vorbereitung von Projekten, die ich meinen Kindern anbieten möchte, unsicher, ob sie überhaupt ankommen. Meistens treffe ich mit meinen Ideen ja ins Schwarze. Nur selten bleibt ein Material unbeachtet liegen und wartet im „Schulkammerl“ auf eine andere neugierige Nase. Ob ich Maja (12) für ein Schimmelpilzexperiment begeistern kann, war im Vorfeld alles andere als sicher. Zu Beginn war Mademoiselle tatsächlich eher verhalten. „Schimmelpilze? Ist ja eklig. Was soll man da schon untersuchen können?“ Im Gespräch wurde ihr aber schnell klar, dass die Betrachtung von Schimmelpilzen, deren Sporen sich ja überall in der Umgebungsluft befinden, durchaus lohnenswert und faszinierend sein kann. Gemeinsam fixierten wir die…
-
Erntedank
Das Erntedankfest ist eines der ältesten Feste überhaupt. Schon in vorchristlicher Zeit dankten die Menschen ihren jeweiligen Göttern für eine ertragreiche Ernte. Auch heute noch werden überall auf der Welt Feierlichkeiten begangen, um die reichen Gaben dieser Erde wertzuschätzen. Thanksgiving, N’cwala, Sukkot, Anom, Pongal, Erntedankfest … Es gibt viele Namen für denselben Ritus. Mit Linus (8) tauchten wir heuer tiefer in die Thematik ein und wälzten in diesem Zusammenhang auch gleich Landkarten. Wie so oft gesellten sich auch seine Geschwister hinzu und es entwickelte sich eine fabelhafte Diskussion einerseits über Entfernung und Klima der betrachteten Länder sowie andererseits über Art und Weise der Erntedankfest-Rituale. Nach einer umfassenden gedanklichen Weltreise landeten…
-
Der König der Pilze und das Huhn mit dem lockigen Haar
Im letzten Beitrag schilderte ich euch bereits mein Dilemma des Unwissens, was die Welt der Pilze betrifft https://belinda.amplatz.today/freigeist/gluecks-pilze/ Meine Motivation war hoch, die Anzahl der eindeutig und sicher von mir bestimmbaren Pilze zu verdoppeln. (Kleiner Exkurs in den Bereich „Propaganda und Meinungsmanipulation“: Mit dem soeben von mir angewandten Trick des Weglassens der relevanten Basis iZm einer rechnerischen oder statistischen Angabe arbeiten auch Politik und Medien regelmäßig.) Also gut, ich bin ehrlich. Bisher konnte ich lediglich zwei Speisepilze im Wald zuverlässig bestimmen: Parasol und Eierschwammerl. Als mein Mann kürzlich bei Freunden auf den Ossiacher Tauern zu Besuch war und sie gemeinsam auf Pilzsuche in den Wald gingen, beschrieb er mir nach…
-
Glücks-Pilze
Waldspaziergänge im Herbst sind etwas ganz Besonderes. Der moosig-holzige Geruch und die satten Erdfarben locken einen immer tiefer ins Gehölz. Man möchte sich verlieren in dieser Welt und erwartet jederzeit eine kleine Waldelfe, die neugierig hinter einer Buche oder Waldkiefer hervorlugt. Mein Interesse an Schwammerln (für unsere deutschen Mitmenschen: „Schwammerl“ ist das österreichische Wort für „Pilz“) ist dabei eigentlich recht neu, wenngleich ich als Kind wahre Eierschwammerl-Orgien miterlebte und mein Mann mich in die Kunst des Parasol-Erkennens-Und-Verarbeitens einführte. Darauf beschränkten sich meine Kenntnisse aber auch schon. Wie so oft waren unsere eigenen Kinder der Anlass dafür, mich mit Pilzen näher auseinanderzusetzen. „Mamaaaa, wås is dås für a Schwammale?“ „Und dås?“…
-
Tomatensauce im Glas
Dass wir heuer eine dermaßen reiche Tomatenernte hatten, verdanken wir meinem Mann. Er kümmerte sich regelmäßig um die Pflanzen, goss, schnitt und band sie hoch. Den ganzen August über ernteten wir die ursprünglich aus Mittelamerika kommende Frucht, die die Maya in der Zeit von 200 v. Chr. und 800 n. Chr. erstmals kultiviert und „Xitomatl“ – Nabel des dicken Wassers – nannten. Wochenlang begleiteten uns die schmackhaften Tomaten als Salat, Caprese oder einfach als gesunder Happen für Zwischendurch. Als in letzter Zeit das Wetter zunehmend kühler und regnerischer wurde, ernteten wir die verbliebenen Früchte, um sie für den Winter haltbar zu machen. Da das Vertrauen in die Energieversorgung in der…