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Gebrannter Staub
Mit Ton zu arbeiten bedeutet allem voran, in die Fußstapfen unserer Urururahnen zu treten. Seit tausenden Jahren stellen Menschen überall auf der Erde Alltags- und Gebrauchsgegenstände, Schmuck und Dekoration aus diesem zu Staub verwitterten Gestein her. Die besondere Haptik des Rohstoffs macht Ton zu einem wahren Magneten für Jung und Alt. Kühl, glatt und geschmeidig fühlt er sich an. Wunderbar leicht lässt er sich formen, glätten, schneiden und bedrucken. Die zweite Jännerhälfte war der Töpferei gewidmet. Bereits im Herbst hatten wir mit Petra Fiedler von der Töpferwerkstatt „Albus“ in Wernberg Vorgespräche geführt und schlussendlich mehrere Workshops für frei(er) sich bildende Kinder in Kärnten geplant und organisiert und nun – nach…
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Löwenfraß
Dass sich unser Drittgeborener zu seinem zehnten Geburtstag eine Löwenparty wünschte, berichtete ich euch schon hier: https://belinda.amplatz.today/freigeist/loewenpost/ Als Küchenchefin war ich mit der Bewirtung seiner jungen Gäste „beauftragt“. Und weil mir so etwas – trotz aller Anstrengung – wirklich Spaß macht, ließ ich es mir auch nicht nehmen, das Buffet am Motto auszurichten. Die Kinder standen mir dabei im Vorfeld selbstverständlich beratend zur Seite. Für Linus selbst war lediglich die Torte eine echte Herzensangelegenheit. Hier hatte er recht konkrete Vorstellungen und zwar nicht nur hinsichtlich des äußeren Erscheinungsbildes, sondern – was mich erstaunte – auch bezüglich der „inneren Werte“. „Kann die Creme die Farbe einer Löwenmähne haben? Hmmmm, Papaya vielleicht?…
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Löwenpost
Linus wurde vor wenigen Tagen tatsächlich unglaubliche zehn Jahre alt. Der erste zweistellige Geburtstag im Leben ist schon etwas ganz Besonderes. Und wenngleich auch beim Ü16-Teenager des Hauses der Wunsch nach einer organisierten Feier mehr und mehr in den Hintergrund tritt (Red Bull, Pizzaservice, Musik, Freunde zum Quatschen und Chillen und eine stabile Internetverbindung sind seiner Aussage nach mehr als ausreichend), lieben die jüngeren Geschwister ungebrochen ihre jeweilige Mottoparty. Dieses Mal – so der Wunsch des Geburtstagskindes – sollte es eine Löwenparty werden. Die Tage nach dem Jahreswechsel verbrachten wir also schnatternd und kritzelnd mit der Planung seiner Feier. Fest stand, dass er sich selbst um die kreative Gestaltung („Aber…
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Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen
Maja (13) liebt es zu malen. Am allerliebsten packt sie seit Monaten ihre Aquarellfarben aus und lässt ihrer Kreativität freien Lauf. Hie und da versuche ich sie zu ermuntern, auch einmal andere Techniken anzuwenden und auszuprobieren. Der Dezember stand daher ganz im Zeichen der „Rastermalerei“ und der „Perspektive“. Ich verrate offen und ehrlich gleich vorneweg, dass beides Frust und Lust verursachte, ersteres aber immer wieder durchaus Oberhand gewann. Über das „Rasterbild“ werde ich in einem eigenen Beitrag berichten. Heute soll es um die ersten Versuche unserer Tochter gehen, Perspektiven nicht nur nach dem Prinzip „Daumen mal Pi“ zu berücksichtigen, sondern zu wissen, was man tut. Nun kommt aber bei heranwachsenden…
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Farbexplosion
Der Winter glänzt heuer vor allem mit seiner Abwesenheit. Die Temperaturen sind viel zu mild und liegen in aller Regel weit über dem Gefrierpunkt. Leise rieselt nicht der Schnee, sondern nieselt es nur allzu nass vom trüben Himmel. Dazu beginnt jedes Mal bei einem Familienmitglied eine Erkältung, wenn ein anderes sie gerade erfolgreich los geworden war. Perfekte Voraussetzungen also, um sich mit dicken Socken und einer dampfenden Tasse heißen Tees in eine Decke zu kuscheln und bunte Farben hervorzukramen. Linus (9) hatte Lust auf ein kreatives Feuerwerk, um dem tristen Wetter draußen zu trotzen und dem Alltag einen gehörigen Farbklecks zu verpassen. Gesagt, getan! Von den vielen Möglichkeiten, die Explosion…
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Liebe geht durch den Magen – Prosit 2024!
Üblicherweise feiern wir Weihnachten als Familie im wirklich engsten Kreis, Silvester aber vorzugsweise unterhaltsam, laut und lustig mit Freunden. Dieses Jahr gesellten sich leider Husten, Schnupfen, Kopfschmerzen und Co. schon Anfang Dezember abwechselnd zu Mann und Kindern und hatten auch nicht den Plan, das Haus vor dem Jahreswechsel wieder zu verlassen. „Liebling, ich habe die Party geschrumpft“, war also die Devise, was nicht bedeuten musste, auf jeglichen festlichen Rahmen zu verzichten. Immerhin war niemand mehr wirklich ans Bett gefesselt. Der steigende Verbrauch an Taschentüchern (gegen rinnende Nasen), Zitronen-Kräuterzuckerln (gegen trockenen Husten), Ringelblumensalbe (gegen rissige Lippen) und Thymian-Myrte-Balsam (gegen Schluckbeschwerden) verhielt sich allerdings bei den Halbkranken indirekt proportional zur Besuchsbegeisterung. Wir…
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Raffinierte Masche (Vol. 3) – Rote Früchte
Unsere Kinder lieben Beeren über alles. Nun gut, unser Erstgeborener mag in Wahrheit nur Himbeeren und auch die ausschließlich in zweierlei Form, nämlich passiert als Gelee auf Mohn-Topfen-Torten oder wahlweise als Füllung in Kartoffelknödeln. Die jüngeren Kinder aber schlemmen tatsächlich alle Beerenfrüchte, die sie nur in die Hände kriegen können, am allerliebsten frisch geerntet. In unserem wilden Naturgarten ist das Angebot reichhaltig. Unsere lieben Kleinen müssen nur schnell genug mit der Ernte von Himbeeren, Ribiseln, Erdbeeren, Kirschen, Schwarzbeeren, Brombeeren, Stachelbeeren und Preiselbeeren sein, denn unsere unzähligen tierischen Gartenmitbewohner schnabulieren die Vitaminbomben ebenso gerne. Die gehäkelten Himbeeren für die Puppenküche waren schon im vergangenen Sommer entstanden. Beim Betrachten des Bildes erinnere…
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Von Wackeltürmen und Rechensternen
Sich das grundlegende mathematische Verständnis für das kleine Einmaleins spielerisch anzueignen, machte eigentlich allen unseren Kindern viel Spaß. Ob es für den Alltag europäischer Bürger zwingend erforderlich ist, die Aufgaben auch zu automatisieren und entsprechend schnell abrufen zu können, darf diskutiert werden. Allemal ist das rasche Lösen von Einmaleinsaufgaben für die meisten erwachsenen Zeitgenossen in Europa zumindest praktikabel, gewiss aber nicht essentiell. Man bedenke, dass beispielsweise die Warlpiri (ein Volk der australischen Aborigines) keine Zahlwörter außer „eins“, „zwei“, „wenige“ und „viele“ kennen und dennoch einfache Rechenaufgaben schätzend lösen können, ohne es gelernt zu haben. Eine Studie aus dem Jahr 2007 kam vor diesem Hintergrund zum Schluss, dass Menschen über ein…
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Raffinierte Masche (Vol. 2) – Andenbeeren
„Topotopo“, „Uchuba“, „Motojobobo“ oder „Uvilla“ – die Namen der Andenbeere auf ihrem Heimatkontinent Südamerika sind vielfältig und klingen so exotisch wie die Frucht selbst schmeckt. Ich erinnere mich an unsere schlussendlich über drei Meter hohe Pflanze, die wir vor zwanzig Jahren im Schrebergarten meines Schwiegerpapas direkt an der Gartenhüttenwand gesetzt hatten. Die im Holz gespeicherte und widerstrahlende Wärme verlieh dem Nachtschattengewächs wahrlich Flügel. Der Geschmack der Früchte war mit jenem gekaufter Andenbeeren nicht zu vergleichen. Unsere Kinder (männliche Teenager mit Obstphobie ausgeschlossen) lieben Andenbeeren, also lag es nahe, dass im Rahmen meines Puppenküchen-Projekts für unser jüngstes Familienmitglied Merlin (4) auch eine Häkelvariante der „Goldbeeren“ entstehen sollte. Natürlich benötigte auch die…
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Raffinierte Masche (Vol. 1) – Orangen
Aus irgendeinem unerfindlichen Grund existieren in meinem Kopf mehr Projekte, als ich jemals in einem Leben umsetzen kann. Nicht selten verhindert mein Alltag die Realisierung einer schönen Idee, doch habe ich gelernt, damit halbwegs entspannt umzugehen. Auch meine Tage haben nur 24 Stunden, und – egal welche biologisch einwandfreien, selbst angebauten „Düngemittel“ ich esse – es wollen mir partout keine zusätzlichen Hände wachsen. Neues Obst und Gemüse für die Puppenküche wollte ich – dieses Mal gehäkelt – eigentlich schon vor Merlins viertem Geburtstag in Angriff nehmen. Die Ausstattung, die ich vor mehr als einer Dekade aus Filz genäht hatte, ist schon längst in die Jahre gekommen. Viele kleine Köche hatten…